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Epiphanie-Presse

Selbst wenn man wollte, fiele es schwer, den Blick abzuwenden von dem Mädchen, das da auf der Bühne steht. Blass wirkt sie und in sich gekehrt. Ihre Präsenz löst ein Unbehagen aus und doch hängt man bei jedem Wort an ihren Lippen. […] Zu Beginn wird das Mädchen im sakralen Engelskostüm vom Schnürboden herabgelassen.[…] Von da an steht sie meist in der Bühnenmitte und gibt Texte unter anderem von Foucault, Dostojewski, Samuel Beckett und Ingeborg Bachmann wieder. Mal tritt sie dabei unruhig auf der Stelle, mal zieht sie ihre dünnen Arme aus den großen Taschen der Robe, in der sie steckt. Mit jeder Bewegung unterstreicht Ruhland das Gesagte auf eine subtile und doch eindringliche Weise. Sie blickt ins Leere, spricht zu niemandem bestimmten und doch zu allen im Raum. Sätze, die mit »Erinnern Sie sich noch« beginnen, lassen den Zuschauer aufhorchen. Sie richtet das Wort an uns, wenn sie über den Körper als unentrinnbaren Ort, über die Zeit und die Kindheit spricht.

Doreen Kunze, Kreuzer Online, 23. Mai 2013

Mit einem zwölfjährigen Mädchen inszeniert Julian Rauter in einem weißen kühlen Kubus einen einstündigen Monolog, in dem nahezu nichts passiert und der im Zuschauer doch so vieles auslöst. Lebensalter-ge- sättigte Texte, deren Inhalte der Sprecherin nicht immer klar sind, erhalten eine schwer erträgliche Tiefe. Die brüchige Stimme der Darstellerin, ihre luzide Erscheinung, ihre schüchternen Gesten, deren Ausführung man körperlich mitspürt machen den Abend zu einem äußerst seltsamen und nachdenklichen Erlebnis. Ein mutiges Stück Theater, dass durchaus polarisiert.

Jurybegründung zu Nominierung von Epiphanie zum Bewegungskunstpreis 2013