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Orpheus spricht…(AT)

Inszenierung im Rahmen von Ruhrorter

„Gesang wie du ihn lehrst, ist nicht Begehr, // nicht Werbung um ein endlich noch Erreichtes; // Gesang ist Dasein“ (Rilke)

Die Geschichte des großen Sängers und Ahnherren der Dichter, deren Ursprünge im sechsten vorchristlichen Jahrhundert liegen, prägte über die Jahrhunderte nicht nur die Kulturgeschichte des mediterranen Raumes, sondern auch West- und selbst Osteuropas. Die von Orpheus’ Gesang gestiftete Gemeinschaft, sein poetisch-sprachliches In-Kontakt-Treten mit Menschen, Tieren, ja selbst unbelebter Natur und die Kraft, über Differenzen hinweg, jeden zu adressieren und anzurufen, sein besonderes Verhältnis zu den Toten und Abwesenden, seine Reise in die Unterwelt und seine Fähigkeit, die dort Verharrenden in einem künstlerisch sich ausdrückenden Eingedenken zu einem Bestandteil des weiteren Lebensverlaufs zu machen – diese Themen haben sich Zeiten und Grenzen hinweg als unerschöpflich übersetz- und darstellbar gezeigt. Über die Narrative der Antike und die Tradition der christlichen Ikonographie, reichen ihre literarischen und musikalischen Be- und Verarbeitungen länderübergreifend bis in die Gegenwart.

Mit den genannten Aspekten decken sich wesentliche Schwerpunkte, die RUHRORTER seit seinen Anfängen verfolgt und auch im kommenden Projekt fokussieren wird. Der Anspruch der nächsten Inszenierung ist es nun, diese thematischen Überschneidungen im Probenprozess in einen produktiven Austausch treten zu lassen und die Geschichte(n) der DarstellerInnen sowie die Geschichte(n) von Orpheus in einer Weise theatral zu übersetzen, die einen bühnensprachlichen Verbund entprivatisierter Träume und individualisierter kultureller Bilder entwirft und darin an die bisherigen Arbeiten von RUHRORTER anschließt.

Dieses mythologisch-theatrale Zusammenspiel soll vor allem um drei zentrale Komplexe konzentriert sein:

  • Die gemeinschaftsstiftende Kraft der Kunst und die Rolle von Sprache.
  • Der Kontakt mit den Toten, also im weitesten Sinne mit Erinnerungen und Abwesendem
    und dies in einer Welt jenseits des Wachzustands.
  • Die Suche nach einem Ausdruck für die damit verbundenen Erfahrungen von Verlust, der
    sich nicht in einer bloßen Rückschau verliert, sondern eine neue Form des vorwärtsgewandten Erinnerns begründet.